Letzten Montag hatte ich die 3. Chemo, i.e. stationäre Infusionen und noch 48 Stunden ein Fläschchen am Port für zu Hause. Von Nebenwirkungen bleibe ich weitestgehend verschont, ausser das die Schleimhäute in Nase und Mund gereizt sind. Das Schlimmste ist die Schlappheit, ich liege viel im Bett und "geniesse" die Wärme. Ansonsten geht es mir aber ganz gut. Vor allem bin ich richtig braun geworden, weil ich mittags die Sonne auf dem Balkon genossen habe. Sehe aus wie nach 1 Woche Malle...
Tumormarker sind heruntergegangen und Leberwerte haben sich auch verbessert. Schade eigentlich, dass der Krebs trotzdem nicht heilbar ist.
Heute war ich mal wieder draußen. Habe erst mit meiner Tochter bei Subway gegessen und dann bei Hornbach ein anderes Auto beim Ausparken angetitscht. Das Leben ist schön.
PS: Habe gestern eine Ladung EPO bekommen, Jan Ullrich lässt grüßen. Ist richtig gutes Zeug, auch wenn man garkein Fahrrad hat. Fühle mich jedenfalls deutlich fitter.
Wuppertal - 26. Mär, 15:01
In meinem ersten Weblog möchte ich gerne die letzten Monate oder Jahre festhalten, die mir noch bleiben. Der Sinn ist nicht, hier Mitleid zu erheischen, sondern die Erinnerungen für mich festzuhalten und sie gegebenenfalls - wenn es soweit ist - an meine Familie weiterzugeben. Es könnte einiges klären, was sonst vielleicht in Vergesenheit gerät oder nicht gesagt wurde. Vielleicht werden durch das Aufschreiben auch für mich Dinge klarer oder andere Betroffene erhalten Anregungen, wie man mit dem eigenen Tod umgehen kann. Ich weiß es nicht, für mich ist es ein Experiment, dass sinnvoll oder -los sein kann. Also, los geht's:
Der 31.01.2011. Ich hatte starke Rückenschmerzen und ging zu meinem Hausarzt. Da ich regelmäßig Rückenschmerzen hatte, untersuchte er mich sehr eingehend, u.a. mit Ultraschall. Er stellte eine rauhe Oberfläche der Leber fest und schickte mich in's Ärztehaus zum Lunge röntgen (ich rauche seit vielen Jahren) und Torso-CT. Ich bekam sogar Termine am selben Tag. Lunge war o.B., das CT ergab jedoch den sicheren Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs - sehr ungewöhnlich für jemanden Mitte 40. 1 Stunde später war ich schon wieder bei meinem Hausarzt, der bereits für die nächsten 3 Tage Termine im Krankenhaus für mich vorbereitet hatte. Während der Tests (CTs, Magenspiegelung, US, ...) bestätigte sich der Verdacht. Prognose: wenige Monate bis 1 Jahr Überlebenswahrscheinlichkeit, Heilungschancen nicht vorhanden. Das Problem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist, dass er keine Beschwerden macht, man ihn also erst erkennt, wenn es zu spät ist und sich bereits Metastasen (bei mir auf Leber und Wirbelsäule) gebildet haben.
Innerhalb kürzester Zeit bekam ich einen Port gelegt und schon am 21.02. die erst Chemotherapie. Folfirinox, eine Phase 3 Studie mit guten Ergebnissen. Morgen ist bereits die 3. Chemo angesetzt.
Also: am 31.01. mit Rückenschmerzen aufgestanden und als Totkranker abends in's Bett gegangen. Mitte 40, verheiratet, 2 Kinder von 11 und 14. Das Leben auf den Kopf gestellt.
Was bis heute dann passierte, werde ich demnächst schreiben, vielleicht morgen bei der Chemo. Aber eins vorweg: Ich bin stinknormaler Kassenpatient. Wenn man aber wirklich ernsthaft krank ist, so wie ich jetzt, wird man behandelt wie ein VIP. Egal ob im Krankenhaus, beim Hausarzt oder beim Onkologen - ich fühle mich überall sehr gut aufgehoben und wurde überall mit absoluter Priorität behandelt. Damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet, ich dachte, ich müsste mir vieles erkämpfen, was für Privatpatienten normal ist. Ein dickes Danke schön an meine Ärzte!!!
Wuppertal - 20. Mär, 11:13